LIGER Der Titel des ersten Albums des von Wien aus operierenden Duos Liger legt es nahe: Liger spielen gerne und rütteln dabei an Dingen, Begriffen, Genres. Mit Worten, mit Musik, mit Bedeutungen, mit der Wahrnehmung, mit der Verpackung dessen, was sie da tun. Das tun sie in aller Ernsthaftigkeit. Mit derselben entrückten, aber gleichzeitig extrem viel wahrnehmenden und mitverarbeitenden Hingabe, die man bei Kindern beobachten kann, denen „die Welt“ dann völlig egal ist, wenn sie in dem Aufgehen, was sie tun – sich eine neue Welt zu bauen. Ersetzen wir das Bild vom spielenden Kind durch einen künstlerischen, reflektierten Zugang zum selben Prinzip, kommen wir dem schon sehr nahe, wie Liger funktionieren. Oder eben nicht funktionieren. Weil es eben auch um das Unterlaufen eines herkömmlichen Schönheits-Begriffs in der (Pop-)Musik (oder besser ein Darüber-Hinaus-Laufen …) geht. Um das Verschieben und Aufbiegen von Eindeutigkeiten. Um ein Neuabstecken, ein Weiterfassen klanglicher und inhaltlicher Möglichkeiten. „Um eine andere Auffassung davon, was schön ist“, wie Liger in ihrem Proberaum/Tonatelier/Studio im zehnten Wiener Gemeindebezirk zu Protokoll geben. So werden dann die handelsüblichen Crash-Becken eines Schlagzeugs zu „Crash Symbols“. Ein Begriff, den man nicht genau definieren kann, der aber dennoch etwas sagt. Immer mehr, je öfter man ihn ausspricht oder denkt. So wie die Musik von Liger immer mehr Sinn macht, je intensiver man sie hört. Ein halbes Ohr, ein halbes Bewusstsein dafür wird einen dabei nicht weit bringen. So wie sich die beiden Musiker, die sich gemeinsam Liger erarbeiten, erkämpfen, erspielen und erleben, Dino Spiluttini und Gernot Scheithauer keine Halbheiten durchgehen lassen. „hello ghost/can i try to impress you? like with crushing my dull face on the pavement E-Musik? Anti-Indie? Pop? Avantgarde? Elektronik? Kunstlied? Das alles findet sich in den vielen Schichten, aus der das Duo seine Musik zusammenfügt. Bis zuletzt da noch einen Sound verändernd, eine Bass-Drum überdenkend, ein Arrangement diskutierend. Ein Streichersatz (zur Klangfülle des Albums tragen 7 Gastmusikerinnen, unter anderem Sir Tralala oder Christopher M. Taylor von Trouble Over Tokyo bei) muss noch neu eingespielt werden, während die Deadline für Mix und Mastering, die beide in Berlin von Mark Bihler besorgt werden naherückt, im Grunde schon überschritten ist. Ende September wird das Album live präsentiert, für Oktober ist eine Show in London gebucht (Liger wollen ihre Musik definitv über Österreich hinaus gehört wissen, die Details eines USA-Releases werden gerade verhandelt). Dino Spiluttini und Gernot Scheithauer pendeln zwischem dem bittersüßen Schmerz des Aus-den-gestaltenden-Händen-Lassens jedes Kreativen und der Erleichterung, der Genugtuung ihr Album, dass sie schon letztes Jahr veröffentlichen wollten, endlich fertig zu haben. Ein Album, bei dem die seit 2006 gemeinsam arbeitenden Liger auch schon einen völligen Totpunkt erreicht hatten. Den zu überwinden ihre Musik entscheidend weitergebracht hat, so wie sich den beiden Musikern in den letzten Phasen der Fertigstellung selbst immer mehr erschliesst, wie sich die Stücke/ Tracks/Songs/Lieder, die ganze Ideenflut, die in diesem Album steckt, zu einem Ganzen fügen und verdichten. Die „Crash Symbols“ von Liger sind bereit ihre Wirkung zu entfalten. (Rainer Krispel)
Factsheet: LIGER befassen sich mit der Auslotung der Grenzbereiche von U- und E-Musik. Dabei arbeiten sie mit Elementen sowohl aus dem Bereich der aktuellen Independent-Musik (Xiu Xiu, Björk...) als auch der Avantgarde des 20. Jahrhunderts (Edgar Varese, Olivier Messiaen oder Henry Cowell) und bedienen sich eines variantenreichen Instrumentenrepertoires, in dem auch traditionelle österreichische Instrumente wie Zither und Akkordeon eine Rolle spielen. Seit der Gründung im Oktober 2005 wurden zahlreiche Auftritte im In- und Ausland (u.a. Europatourneen 2006, 2007, Festivalauftritte) absolviert, sowie mehrere Tonträger veröffentlicht.Gemeinsame Auftritte u.a. mit Carla Bozulich's Evangelista (USA), Unwed Sailor (USA), The Paper Chase (USA), Rechenzentrum (GER), Otto Von Schirach (USA), Picastro (CA), Britta Persson (SWE). Veröffentlichungen: EP Compilations Dino Spiluttini: Gernot Scheithauer: Links:
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